Helmut Wundke

Helmut Wundke, Gymnasialschulleiter im Ruhestand, Weimar
Welttage

Über den Sinn oder die Plage der Welttage?
Fast täglich ist in den Medien von Welttagen zu lesen und zu hören. Über deren Herkunft, Bedeutung, Anzahl und Arten etwas zu erfahren, schaute ich in meine Brockhaus-Enzyklopädie (24 Bd.-19. Auflage). Von Weltall ¸Über Welträtsel bis zur Weltzeit ist hier auf 39 Seiten alles nachlesbar, nur nichts über den Begriff Welttag.
Eine Publikation in der Bücherwelt fand ich auch nicht. Dafür aber im Internet bei
Google und Yahoo weit über eine Million Beiträge über Welttagegründer und deren Absichten und unzählige Arten der Auflistungen. Niemals aber fand ich eine Auflistung, die als Gesamtübersicht gelten könnte. Die wird es auch zukünftig nicht geben, weil
es keine oberste Behörde, Verwaltung, Standardisierung für Welttage, kein Weltgesetz gibt, das irgendjemanden verbietet, einen Welttag auszurufen.
So ist die Zeit nicht mehr fern, und jeder Kalendertag wird mit mindestens einem
Welttag verbunden sein.

Warum, wozu gibt es Welttage?
Ein Welttag soll an aktuelle Weltprobleme an einem wiederkehrenden Kalendertag erinnern, über wichtige soziale, kulturelle, medizinische, ethische, politische Problem-lagen informieren und zu deren Lösungen beitragen. Einmal im Jahr die Weltbevölkerung auf ein wichtiges Thema lenken und möglichst viele Menschen zu mehr Engagement motivieren.
                      Einmal im Jahr mediale Aufmerksamkeit erreichen.
                      Die zwischenmenschliche Kommunikation fördern.

Der erste Welttag
Der erste Welttag wurde am 31. Oktober 1947 von den Vereinten Nationen (UN) für sich selber ausgerufen. Man gab sich mit dem United Nations Day die Gründungsehre und empfahl den Mitgliedstaaten, den 24. Oktober alljährlich zu feiern. Er sollte die UN be-kannt machen und Identifikation schaffen. Doch die Welt blieb stumm- nur Mikronesien gibt an diesem Tag seinem Volk frei.
Heute gibt es von den Vereinten Nationen mit ihren 16 Nebenorganisationen und 16 Sonderorganisationen 80 weitere offizielle Welttage. Die Vereinigten Nationen sind damit die fleifligsten Verkünder.
Welttage werden neben den Vereinigten Nationen aber auch zunehmend von anderen Organisationen wie etwa der Katholischen Kirche (5 Welttage), Weltverbänden, vielerlei Organisationen, PR-Agenturen und Einzelpersonen initiiert.

Ihre Ziele?
Die von der UN proklamierten Welttage repräsentieren die Ziele der UNO und ihrer 192 Mitgliedstaaten: Friedenssicherung, Menschenrechte, Entwicklungsprogramme für den Fortbestand der Menschheit, ihrer Kultur und ihres Lebensraumes. Ethischer Natur sind die Ziele der Katholischen Kirche. Über gesellschaftliche, medizinische, umweltbezogene und kulturelle Problemlagen informieren unzählige weitere Organisationen und Interes-sengruppen. Inzwischen tummeln sich rund um die Welttage Trittbrettfahrer und be-nutzen diese als PR-Gag: einen Tag für das Bier, für das Ei, für den Kuss, einen Wel-tlachtag gibt es auch. Es fehlt nur noch der Bla-Bla-Bla Tag.
Fazit
Im Zeitalter der Globalisierung und des Internets erfahren Welttage einerseits eine Aufwertung, andererseits aber auch durch eine inflationäre Zunahme eine Abwertung.
Es wird eng auf den Kalenderblättern, so eng, dass sich Taggemeinschaften bilden.

Beispiel der 21.03. Welt-Down-Syndrom Tag, Welttag der Hauswirtschaft, der Poesie, Internationaler Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung, Internationaler Tag des Waldes.
Beispiel der 05.05. Europagedenktag, Tag des herzkranken Kindes, Internatioinaler Hebammentag, Weltasthmatag.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendetwas gedacht wird. Der Gedenkanlass Frieden beansprucht gleich mehrere Kalendertage: Einen Friedensgedenktag feiert die Katholische Kirche am 01.01., der Weltfriedenstag am 06.08. dient dem Gedenken an die Opfer des Atombombenabwurfes auf Hiroshima 1945, die Bundesrepublik feiert den Weltfriedenstag am 01.09. und die UN feiert ihn am 21.08.

Nur die wichtigsten Welttage absorbieren ein wenig Aufmerksamkeit in der weltöf-fentlichen Kommunikation. So z.B. der Frauentag am 08.03., der Aidstag am 01.12..

Jeder Interessierte wird seinen Welttag haben. Bei mir ist es der 14.03., es ist der Pi-Tag- der Tag der Mathematik.

Ich denke, dass die meisten Anliegen der Welttage bei der Weltbevölkerung kaum Gehör finden, zu einer Art Weltkultur nicht werden. Dazu ist die Zahl viel zu groß. Sie gehen im Des- und Halbinteresse unter und bleiben ein politisches Ritual, das Niemanden weh tut, den Eindruck des Handelns erzeugt und dennoch nichts verändert.(Manfred Weise im Internet, 31.10.2007 Jeder Tag könnte ein Welttag sein)

Ich nutze die Welttage zur Kontaktpflege.Neben Geburtstagen, Hochzeitstagen, Feiertagen bieten mir Welttage die Gelegenheit, Gedanken der Anteilnahme und Orientierung, der Achtung und Zugehörigkeit, der Zuneigung und Hoffnung auszudrücken und zu empfangen.
Jeder mag sich nun seine Welttage in den Kalender schreiben. Dafür habe ich 264 Anlässe zusammengetragen und hier veröffentlicht.