Helmut Plichta

Warum ich Bienen halte

Helmut Plichta

Seit mir mein Großvater vor mehr als 50 Jahren ein Bienenvolk geschenkt hat, bin ich Imker, und die Begeisterung für dieses Hobby hat nie nachgelassen. Sie kommt vielmehr in jedem Frühjahr wieder neu und immer schwingt die Hoffnung auf das „besondere“ Bienenjahr wieder, wohlwissend, dass gerade bei den Bienen kein Baum in den Himmel wächst.

Alle beruflichen und persönlichen Veränderungen haben meine Bienen mitgemacht, wenn auch nur reduziert auf drei Völker, die ich auf einem Balkon gehalten habe. Nunmehr in Rente, konnte ich den Betrieb neu und in deutlich größerem Umfang aufbauen und ich hoffe, dass ich mich noch lange mit diesen sympathischen Insekten beschäftigen kann.

Als Imker übernehme ich ein Stück Verantwortung für den Erhalt eines wichtigen Teils unserer Umwelt. Dabei ist die Beschäftigung mit den Bienen in keiner Weise eintönig und wird mit zunehmender Erfahrung immer interessanter:

Ich muss die Biologie der Bienen kennen und verstehen und sie als Völker durch das Jahr führen können. Genauso wichtig ist der richtige Umgang mit den Produkten der Bienen, vor allem mit Honig, der immer in einer guten Qualität bereitgestellt werden muss und aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften als verderbliches Lebensmittel besonders zu pflegen ist.

Bedeutung der Imkerei für den Menschen

Imkerei und Mensch sind von alters her miteinander verbunden. Es existieren Höhlenbilder aus der Steinzeit, die Menschen bei der Honigernte zeigen. Einen besonderen Aufschwung nahm die Imkerei und das damit verbundene Zeidlerwesen im Mittelalter, als Honig und besonders auch Wachs für den Bedarf der Klöster und der christlichen Kirche hoch im Kurs standen.

Heute ist die Honigbiene nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier für den Menschen. In Europa sind etwa drei Viertel der Kultur- und Nutzpflanzen von der Bestäubung durch Bienen abhängig.

Die Leistungen der Bienen sind dabei beeindruckend:

  • Eine einzige Biene bestäubt bis zu 2.000 Blüten, ein ganzes Volk schafft bis zu 20 Mio. Blüten pro Tag.
  • Für 500g Honig fliegt ein Bienenvolk rund 60.000 km, also ca. 1 ½ mal um die Erde.
  • Im langjährigen Durchschnitt bringt jedes Bienenvolk in Deutschland einen Ertrag von ca. 40 kg Honig im Jahr.

Die Biene braucht den Menschen mehr denn je:

  • Die natürlichen Lebensgrundlagen der Bienen werden durch die moderne Landwirtschaft und die damit verbundene Eliminierung vieler Blühpflanzen immer mehr eingeschränkt.
  • Es gibt kaum noch natürliche Behausungen in Form von hohlen Bäumen, Felsnischen u. ä. Neue Lebensräume z. B. im innerstädtischen Bereich müssen von Menschen angeboten und besonders betreut werden.
  • Die direkte Bedrohung der Biene durch Krankheiten, und Parasiten und von der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide haben ein Maß erreicht, das eine eigenständige Existenz von Honigbienen ohne menschliche Eingriffe nicht mehr möglich macht. Durch die aus dem aus Indien und Ostasien eingeschleppte Varroamilbe besteht eine besondere Gefahr, der die europäische Biene ohne Einwirkung der Imker nicht gewachsen wäre.

Für die Imker ergibt sich aus dem Nutzen der Bienen und ihrer in der modernen Zeit eingetretenen Abhängigkeit von Menschen ein gerechter Deal:

Sie nehmen den Bienen die in Form von Honig angelegten Wintervorräte und bieten ihnen dafür eine feste und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Behausung, Schutz vor Krankheiten und sichere Überwinterung durch den Ersatz des Winterfutters durch eine entsprechende Fütterung.

Die Bienen haben ein äußerst sympathisches „Geschäftsmodell“:

Für mich persönlich hat das Leben der Biene und ihre Rolle in der Umwelt eine besondere Faszination:

  • Sie ist ein Lebewesen, das nichts zerstört, um selbst zu überleben.
  • Sie ernährt sich von Nektar und Pollen, die ihr von den Pflanzen im Übermaß zur Verfügung gestellt wird, um die eigene Fortpflanzung zu sichern. Auch der von den Bienen gesammelte Honigtau als Abfallprodukt von Bäumen und anderen Pflanzen schädigt diese in keiner Weise.
  • Das zum Bau der Bienenwohnungen erforderliche Wachs wird durch ein körpereigenes Drüsensystem selbst erzeugt, entzieht keinem anderen Lebenswesen etwas und schädigt andere nicht. Das gilt auch für Propolis, bei dem es sich um von den Bienen gesammeltes Baumharz und weiter verarbeitetes Baumharz handelt. Auch dadurch wird keine Wirtspflanze geschädigt.